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Wiedereröffnung des Berghauses in Kreisau

Das historische Berghaus in Kreisau, Herz der Erinnerungs- und Bildungsarbeit zum Widerstand des Kreisauer Kreises gegen den Nationalsozialismus, wurde am 3. Juni nach dreijähriger umfassender Sanierung mit einer neuen Ausstellung feierlich wiedereröffnet. Über 100 geladene Gäste – Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Zivilgesellschaft sowie zahlreiche Unterstützerinnen und Unterstützer – kamen in Kreisau zusammen, um diesen feierlichen Festakt zu begehen.

Kreisau steht für Multiperspektivität

Bereits am Vorabend begrüßten Dr. Robert Żurek und Dorota Krajdocha, geschäftsführende Vorstände der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung, die Gäste in der Alten Scheune auf dem Gutsgelände in Kreisau. Das Berghaus, so leitete Robert Żurek den Abend ein und setzte zugleich das Leitmotiv für die bevorstehenden Feierlichkeiten, stehe für Multiperspektivität: Im Deutschen beschreibt „Berghaus“ das, was man von dort aus sieht – den Zobtenberg. Im Polnischen hingegen verweist „Dom na Wzgórzu“ („Haus auf dem Hügel“) auf den Standort selbst. „Setzt man beide Perspektiven zusammen, so steigt man auf den Hügel und kann zugleich den Berg sehen – Multiperspektivität entsteht“, so Żurek.

In den anschließenden Impulsen aus Wissenschaft, Politik und von Mitarbeitenden der Kreisauer Organisationen – moderiert von Dr. Robert Żurek und Dr. Anna Quirin – wurde dieser Gedanke weitergeführt: Es ging um den Kreisauer Kreis, die Frage, warum gerade Kreisau als Austragungsort der Versöhnungsmesse gewählt wurde, welche demokratiestärkende Infrastruktur der Ort bietet und wie die Kreisauer Ukraine-Hilfe zu einem Herzensprojekt aller Mitarbeitenden wurde.

Ein Abend der Begegnung

Im Anschluss verlegte sich das Geschehen an das Berghaus selbst. Dieses war noch von einer leuchtend roten Schleife verpackt und sollte seine feierliche Enthüllung erst am nächsten Tag erwarten. In einem nahegelegenen Festzelt fand eine „Bühne für Erzählungen und Gefühle“ statt, die ihrem Namen alle Ehre machte: Ein literarischer Text über das Berghaus, persönliche Erinnerungen aus einem Brief von Freya von Moltke und ein humorvoller Sketch der Synchronübersetzer über künstliche Intelligenz sorgten für eine bewegende und heitere Atmosphäre.

Der Abend klang im Garten des Berghauses aus. An verschiedenen Stationen konnten sich die Gäste mit der Multiperspektivität Kreisaus beschäftigen: mit einem Film über das Neue Kreisau, mit persönlichen Erinnerungsbildern oder in einer Zeitleiste, in der sie sich selbst verorten konnten. Am Lagerfeuer entstanden, ganz im Sinne des Ortes, Gespräche über Vergangenes und Zukünftiges.

Feierlichkeiten und Ehrungen begleiten die Eröffnung

Am 3. Juni folgte die offizielle Eröffnung des Berghauses. Jan Tombiński, Chargé d’Affaires i.a. der Republik Polen in Berlin, betonte in seiner Rede, dass das Berghaus nicht nur ein Ort der Erinnerung sei, sondern auch ein Ort, an dem über Gegenwart und Zukunft diskutiert werde. Auch Knut Abraham, Koordinator für die deutsch-polnische zwischengesellschaftliche und grenznahe Zusammenarbeit, würdigte Kreisau als einen Ort mit außergewöhnlicher Vorbildwirkung für Freiheit und Verständigung.

Zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus der Region – darunter Paweł Gancarz, Marschall der Woiwodschaft Niederschlesien, sowie Repräsentanten der Gemeinde und des Kreises Świdnica – unterstrichen die Bedeutung Kreisaus für die Region und seine Ausstrahlung weit darüber hinaus.

Ein besonderer Moment war die Ehrung von Helmuth Caspar von Moltke: In Vertretung des polnischen Außenministers überreichte Jan Tombiński ihm die Ehrenmedaille „Bene Merito“. Darüber hinaus wurde ihm von der Gemeinde Świdnica die Ehrenbürgerschaft verliehen. In seiner Rede betonte Helmuth Caspar von Moltke:

„Ich stehe auf den Schultern meiner Eltern. Und ich stehe auf den Schultern aller Menschen, die das Neue Kreisau mit aufgebaut haben.“

Ein Blick hinter die Kulissen

In zwei Gesprächsrunden wurde die dreijährige Sanierungsphase reflektiert. Dr. Anna Poznańska und Dr. Anna Quirin moderierten ein Gespräch mit zentralen Förderinnen und Förderern, die eindrücklich schilderten, was sie dazu bewogen hatte, sich für die Sanierung des Berghauses zu engagieren. Deutlich wurde dabei, dass das Berghaus für sie mehr ist als ein Gebäude: ein Ort mit Geschichte, ein Ort, an dem sich junge Menschen aus aller Welt begegnen und ein Ort, der Hoffnung gibt.

Eine überwiegende Mehrheit der Sanierungskosten, die rund 900.000 Euro betrugen, wurden von privaten Stiftungen, Unternehmen und Einzelpersonen getragen – ein beeindruckendes Zeichen der Unterstützung und des Vertrauens in die Arbeit Kreisaus. Die Freya von Moltke-Stiftung konnte mit den ihr anvertrauten Mitteln mehr als 75 Prozent des Gesamtbedarfes decken.

In einem weiteren Austausch berichteten die an Sanierung und Ausstellung beteiligten Akteurinnen und Akteure von den Herausforderungen und Ideen der Neugestaltung des Berghauses. Es ging um das Spannungsfeld zwischen alter und neuer Ausstellung sowie um die Gartengestaltung, die Architektur des Berghauses, die landschaftliche Umgebung und die Geschichte des Gartens miteinander verbindet. So wurde die Multiperspektivität nicht nur thematisch aufgegriffen, sondern wird im Berghaus selbst räumlich und inhaltlich erfahrbar gemacht.

Das Berghaus wird eröffnet

Begleitet von sommerlichem Platzregen wurde schließlich das Band am Berghaus von Kindern aus dem Kindergarten in Kreisau entknotet und das Berghaus somit feierlich eröffnet. In kleinen Gruppen erkundeten die Gäste anschließend die neu gestalteten Räume. Die Ausstellung erstreckt sich über mehrere Bereiche: Sie widmet sich der Geschichte des Kreisauer Kreises, greift Fragen von Migration auf und richtet den Blick auf die Entstehung des Neuen Kreisaus und die Versöhnungsmesse. Ein Raum der Reflexion lädt als flexibler Workshopbereich zur aktiven Auseinandersetzung ein. In den oberen Etagen sind Wohn- und Arbeitsräume für Freiwillige sowie Gäste entstanden, die Kreisau als lebendigen Ort der Begegnung erfahren möchten.

Den Abschluss bildete ein Gespräch mit Akteurinnen und Akteuren, die am Aufbau des Neuen Kreisaus beteiligt waren und anhand mitgebrachter Bilder die Geschichte dieser besonderen und ereignisreichen Zeit erzählten.

Dank

Mit der Wiedereröffnung des Berghauses knüpft Kreisau an seine Geschichte an und führt sie zugleich in die Gegenwart fort. Das Berghaus bleibt ein Ort der Begegnung, des Austauschs und der gemeinsamen Reflexion über die Geschichte Kreisaus und die Zukunft Europas.

Der Dank gilt allen Förderinnen und Förderern dieses besonderen Projektes, den Partnerinstitutionen sowie allen Personen, die mit ihrem Engagement die Sanierung und Neugestaltung des Berghauses ermöglicht haben. Ein besonderer Dank gebührt darüber hinaus allen Mitwirkenden der Veranstaltung, die dazu beigetragen haben, diese besondere Eröffnungsfeier zu gestalten.


Die Eröffnung des Berghauses wurde von der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung organisiert. Partner war die Freya von Moltke-Stiftung für das Neue Kreisau. Unterstützt wurde die Veranstaltung vom Kreis und der Gemeinde Świdnica sowie vom Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland in Breslau. Die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit förderte das Projekt finanziell.


Erfahren Sie hier mehr über die Sanierung des historischen Berghauses