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„Wie man den Mut zum Widerstand findet“ – Ein Rückblick

Am Abend des 10. Juni versammelten sich rund 300 Gäste in der Französischen Friedrichstadtkirche in Berlin. Unsere Stiftung veranstaltete dort gemeinsam mit der Evangelischen Akademie zu Berlin, der Stiftung 20. Juli 1944 sowie dem Verlag C.H.Beck eine Vorstellung der kürzlich erschienenen Biographie „Helmuth James von Moltke. Oder: Wie man den Mut zum Widerstand findet“. Die interessante Einführung in das Buch sowie das anschließende Gespräch zwischen dem Autor und Historiker Dr. Volker Ullrich, der Historikerin Dr. Annemarie Franke und Helmuth Caspar von Moltke, verdeutlichten, dass Mut zum Widerstand vor allem dann entsteht, wenn ein Mensch von inspirierenden Persönlichkeiten umgeben ist, die ihm Kraft und Sicherheit geben.

Dr. Friederike Krippner, Leiterin der Evangelischen Akademie zu Berlin, verwies in ihren einleitenden Worten darauf, dass das Menschenbild des Christentums unvereinbar mit der Ideologie des Nationalsozialismus gewesen sei. Gleichzeitig betonte sie, dass Helmuth James von Moltke und die Mitglieder des Kreisauer Kreises einige der wenigen Menschen waren, die im Glauben und in der Mitmenschlichkeit standhaft geblieben sind.

Dr. Anna Quirin, Geschäftsführerin der Freya von Moltke-Stiftung für das Neue Kreisau, erinnerte an Ludwig Mehlhorn, einen DDR-Bürgerrechtler und ehemaligen Studienleiter der Evangelischen Akademie, den sie als „wichtigen Brückenbauer zwischen Deutschland und Polen“ bezeichnete. Mehlhorn, der sich entscheidend für die Entstehung der polnischen Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung eingesetzt hatte, konzipierte die erste Dauerausstellung in Kreisau zu dem Thema, wann Menschen in einer Diktatur in den aktiven Widerstand gehen.

Drei entscheidende Frauen

Dr. Volker Ullrich bezeichnete in seiner kurzen Einführung in das Buch Helmuth James von Moltke als einen „kompromisslosen Gegner des Nationalsozialismus“. Besonders in der heutigen Zeit, in der die Demokratie erneut unter Druck stehe, so Ullrich, sollte an sein Beispiel erinnert werden. Um zu verstehen, „Wie man den Mut zum Widerstand findet“, müsse man den Blick auf drei Frauen richten, die Moltke in seinem Leben geprägt haben. Zu ihnen zählte die Mutter Dorothy, die eine „tiefe menschliche Wärme“ ausstrahlte und deren liberale, angelsächsische Prägung ihn gegen den Nationalsozialismus immunisieren sollte. Später war es die österreichische Reformpädagogin Eugenie Schwarzwald, die Moltke zum Grundlsee einlud und in deren Kreisen sich sein weltoffenes Denken verfestigte. In seiner Frau Freya, die er an diesem besonderen Ort kennenlernte, fand Helmuth James von Moltke schließlich eine liebevolle, unterstützende und kluge Partnerin, die ihm bis in den Tod und darüber hinaus zur Seite stand. Eine Biographie über Helmuth James von Moltke würde, so Ullrich, ohne eine Würdigung dieser Frauen nicht auskommen.

Dr. Annemarie Franke eröffnete die Podiumsdiskussion und bat Helmuth Caspar von Moltke, seinen Eindruck zur Lektüre des Buches über seinen Vater zu schildern. Helmuth Caspar von Moltke betonte, dass es für ihn „zutiefst bewegend“ gewesen sei, das Buch zu lesen. Die Pointe des Buches sei in seinen Augen, dass es für seinen Vater „lebensnotwenig“ gewesen ist, sich dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus anzuschließen: „Er konnte nicht anders, er musste es tun.“ Besonders lobte er den Ansatz Ullrichs, die Frauen im Leben seines Vaters „entscheidend zum Vorschein“ zu bringen:

„Ich habe es beim Lesen voll bejaht, dass die drei Frauen so schön zu Wort gekommen sind. Im Buch von Herrn Ullrich ist zum ersten Mal meine großartige Großmutter ins Spiel gebracht worden, denn auch sie gehört zu der Geschichte.“

Helmuth Caspar von Moltke, Vorsitzender des Stiftungsrates der Freya von Moltke-Stiftung für das Neue Kreisau und Sohn von Freya und Helmuth James von Moltke

Liebe in Zeiten der „finsteren Barbarei“

Dr. Volker Ullrich hob die Bedeutung der zahlreichen Briefe zwischen Freya und Helmuth James von Moltke hervor, die er in der Vorbereitung auf das Verfassen der Biographie im Archiv in Marbach gelesen hatte. Vor diesem Hintergrund beteuerte er, dass sein Buch „im Grunde die Geschichte einer großen, unzerstörbaren Liebe in Zeiten der finsteren Barbarei“ sei. Er verwies in der Diskussion auch auf die Rolle der Frauen im Kreisauer Kreis, die in seinen Augen häufig unterschätzt werde. Die Frauen seien, so Ullrich, über die Inhalte und Pläne des Widerstandskreises „genauestens informiert“ gewesen:

„Ohne den emotionalen Rückhalt, den sie [die Frauen] ihren Männern gaben, hätten diese ihre gefahrvollen Unternehmungen nicht tragen können.“

Dr. Volker Ullrich, Historiker und Autor des Buches „Helmuth James von Moltke. Oder: Wie man den Mut zum Widerstand findet.“

Dr. Annemarie Franke betonte, dass Dr. Ullrich die Geschichte in seiner Biographie auf eine besonders nahbare Weise erzählt habe. Sie eröffnete den Raum für anregende Fragen aus dem Publikum, beispielsweise zur Bedeutung von Briefen als Quelle sowie der Frage, inwiefern in Zeiten von Sozialen Medien und E-Mails anders kommuniziert werde. Der Abend endete mit kräftigem Applaus und einem Sektempfang, den viele Gäste als Möglichkeit des vertiefenden Austauschs nutzten.

Ein besonderer Dank gilt unseren Partnern dieser Veranstaltung: