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Die Mitglieder des Kreisauer Kreises

Die Mitglieder des Kreisauer Kreises auf dem symbolischen Tisch im Berghaus

Den Kern des Kreisauer Kreises bildete eine Gruppe aus 23 Personen. Lernen Sie hier die einzelnen Mitglieder des Kreisauer Kreises kennen und erfahren Sie mehr über ihr Leben und ihr Wirken im Kreisauer Kreis.

Der katholische Theologe, Jesuit und Publizist Alfred Delp (15.09.1907–02.02.1945) wirkte, auf Veranlassung von Augustin Rösch hin, ab 1942/43 im Kreisauer Kreis mit. Er beschäftigte sich vor allem mit sozialen Fragen und organisierte Gespräche mit Vertretern der Kirche. Durch seinen Einfluss wurden Grundlinien der katholischen Soziallehre in die Kreisauer Grundsatzerklärungen übernommen. Insbesondere Denkschriften über die „Arbeiterfrage“ und das „Bauerntum“ sind wichtiger Teil seiner Überlegungen. Darüber hinaus stellt er auch Kontakte von einzelnen Münchener Widerstandskreisen zum Kreisauer Kreis her. Am 28. Juli 1944 wird Alfred Delp in München verhaftet, vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 2. Februar 1945 in Berlin-Plötzensee gehängt.

Zum Kreis rund um Helmuth James von Moltke gehörte seit 1939 auch der Jurist und Ökonom Horst Karl von Einsiedel (07.06.1905–25.02.1947). Horst Karl von Einsiedel nahm an der zweiten und dritten Tagung des Kreisauer Kreises teil und prägt zusammen mit Carl Dietrich von Trotha die wirtschaftspolitischen Diskussionen des Kreisauer Kreises. Er nahm auch Kontakte mit Vertretern verschiedener Wirtschaftszweige, Gewerkschaften und christlich-ökumenischen Gruppen im Ausland auf. Durch glückliche Umstände konnte Horst von Einsiedel nach dem gescheiterten Umsturzversuch am 20. Juli 1944 das Kriegsende in Berlin unentdeckt überleben. Im August 1945 übernahm er eine Abteilung in der Wirtschaftsverwaltung des Berliner Magistrats. Jedoch wurde er im Oktober 1945 von der sowjetischen Geheimpolizei als amerikanischer Spion verhaftet und starb am 25. Februar 1947 unter ungeklärten Umständen im sowjetischen Internierungslager Sachsenhausen.

Otto Heinrich von der Gablentz (11.09.1898–27.04.1972) – Ökonom und Doktor der Politikwissenschaften – arbeitete seit 1940 durch die Vermittlung von Horst Karl von Einsiedel in der Kerngruppe des Kreisauer Kreises mit. Dabei beteiligte er sich an allgemeinen Fragen der Staatslehre und insbesondere an Diskussionen über Wirtschafts- und Verfassungsfragen. Aufgrund seiner ökumenischen Kontakte stellte er auch die Verbindung zum Weltkirchenrat in Genf her. Nach dem gescheiterten Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 blieb seine Beteiligung den Ermittlern der Gestapo unbemerkt. Von der Gablentz überlebt das Kriegsende und war gemeinsam mit Steltzer, van Husen, Lukaschek und anderen Mitbegründer der CDU in Berlin. Von 1959 bis 1966 hatte er eine Professur für Politische Wissenschaft an der Freien Universität Berlin inne. 1965 trat er aus der CDU aus, der er mangelnde Reformbereitschaft vorwarf. Am 27. April 1972 starb er in Berlin.

Eugen Gerstenmaier (25.08.1906-13.03.1986), war neben Harald Poelchau der zweite evangelische Theologe im Kreisauer Kreis. Er nahm an der zweiten und dritten großen Sitzung der Kreisauer teil und befasste sich vor allem mit den verfassungs- und außenpolitischen Planungen des Kreises. Durch seine Position im Kirchlichen Außenamt konnte er wichtige Verbindungen für den Kreisauer Kreis ins europäische Ausland herstellen. Nach dem gescheiterten Umsturzversuch des 20. Julis 1944 wurde er festgenommen, durch die Gestapo schwer misshandelt und zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt. Am 14. April 1945 wurde er aus dem Zuchthaus Bayreuth befreit. 1949 wurde Eugen Gerstenmaier für die CDU in den Bundestag gewählt und 1954 Bundestagspräsident. Nach öffentlicher Kritik im Zusammenhang mit Wiedergutmachungsleistungen trat er 1969 von diesem Amt zurück. Eugen Gerstenmaier starb am 13. März 1986.

Der Jurist Hans Bernd von Haeften (18.12.1905–18.05.1944) wurde von Adam von Trott eingeführt. Er wirkte in der Kerngruppe des Kreisauer Kreises ab Mai 1941 als Fachmann für außenpolitische Fragen. Er arbeitete an der Planung zur Neuordnung des Auswärtigen Amtes und der Außenpolitik sowie an den Fragen der Verfassungs- und Sozialordnung. Trotz starker Vorbehalte gegen den Tyrannenmord nahm er gemeinsam mit seinem Bruder Werner an den Vorbereitungen zum Staatsstreich von 1944 teil. Am 23. Juli 1944 wurde er verhaftet. Sein Bruder war schon am 20. Juli in der Bendlerstrasse erschossen worden. Am 15. August 1944 wurde er vom Volksgerichtshof zum Tod verurteilt und noch am gleichen Tag ermordet.

Theodor Haubach (15.09.1896–23.01.1945) schloss sich auf Vermittlung seines langjährigen Freundes Carlo Mierendorff 1942 dem Kreisauer Kreis an. Er war Doktor der Philosophie, Journalist und Redakteur bei sozialdemokratischen Zeitschriften und Mitglied der SPD. Aufgrund seiner politischen Tätigkeiten war er nach Machtübernahme der Nationalsozialisten von langjähriger Verfolgung betroffen. Nach seiner Verhaftung im November 1934 verbrachte er eine zweijährige Gefangenschaft im Konzentrationslager Esterwegen. Nach seiner Entlassung er ließ sich jedoch nicht einschüchtern und schloss sich auf Vermittlung Carlo Mierendorffs dem Kreisauer Kreis an. In einer Übergangsregierung nach dem Sturz der Diktatur sollte Theodor Haubach den Posten des Regierungssprechers übernehmen. Nach dem Scheitern des Attentats vom 20. Juli wurde er verhaftet und am 15. Januar 1945 zum Tode verurteilt und am 23. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee ermordet.

Als Jurist und überzeugter Katholik widmete Paulus van Husen (26.02.1891-01.09.1971) sich der Frage der Bestrafung der Nationalsozialisten im Nachkriegsdeutschland und entwarf ein Prozessverfahren, um Kriegsverbrecher durch die internationale Gemeinschaft zur Rechenschaft zu ziehen. Am 16. August 1944 wurde van Husen verhaftet und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Nach dem Krieg wurde er einer der Mitbegründer der CDU in Berlin, der erste Präsident des Oberverwaltungsgerichtes und später erster Präsident des Verfassungsgerichtshofs für das Land Nordrhein-Westfalen.

Unsere gemeinsamen Besprechungen waren erregend schön wegen ihres Gegenstandes und der durch ihn geschaffenen abenteuerlichen Atmosphäre. Sie waren echt humanistisch, galt es doch, in Liebe schwierige, oft recht kontroverse Fragen von unterschiedlichen Standpunkten aus zu einer Lösung zu bringen, die konstruktiv und nicht pragmatisch sein sollte. Ich habe in meinem langen Leben einen solchen Aufwand an Geist, spritziger Unterhaltung und fröhlichem Schaffenswillen nicht wiedergefunden.“

so erinnerte sich Paulus van Husen an die Diskussionen des Kreisauer Kreises

Das Engagement des Theologen und Jesuiten Lothar König (03.01.1906–05.05.1946) galt vor seiner Beteiligung im Kreisauer Kreis vor allem der Abwehr von national-sozialistischen Übergriffen auf Einrichtungen der Kirche und ihrer Orden. Durch Augustin Rösch kam er 1942 zum Kreisauer Kreis. Er übermittelte für den Kreisauer Kreis Nachrichten und Dokumente zwischen der jesuitischen Ordensleitung und den katholischen Bischöfen und galt als ein Bindeglied zwischen der Kirche und der antinationalsozialistischen Opposition. Nach dem 20. Juli 1944 blieb er trotz Fahndung bis Kriegsende unentdeckt. Ein Jahr nach dem Krieg, am 5. Mai 1946, starb Lothar König an den Folgen einer schweren Krankheit, die aufgrund der Verfolgung und Fahndung durch die Nationalsozialisten nicht ärztlich behandelt werden konnte.

Der Journalist und Sozialdemokrat Julius Leber (16.11.1891–05.01.1945) verbrachte nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 als Folge seines starken politischen Engagements vier Jahre in Gefängnissen und Konzentrationslagern. 1943 kam Julius Leber über Carlo Mierendorff in den engeren Kontakt zum Kreisauer Kreis. Hier war er für die Herstellung von Verbindungen zu Sozialdemokraten (SPD) zuständig. Im Sommer 1944 nahm er gemeinsam mit Adolf Reichwein Kontakt zu einer kommunistischen Widerstandsgruppe auf, wurde denunziert und am 5. Juli 1944 verhaftet. Am 20. Oktober 1944 wurde er gemeinsam mit Adolf Reichwein zum Tod durch den Strang verurteilt und am 5. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee ermordet.

Der Jurist Hans Lukaschek (22.05.1885–26.01.1960) gehörte als Mitglied der Deutschen Zentrumspartei innerhalb des Kreisauer Kreises zu den Vertretern der katholischen Kirche. Aus dem schon seit den 1920er Jahren bestehenden Kontakt zu Helmuth James von Moltke erwuchs seine Mitarbeit im Kreisauer Kreis. Hans Lukaschek wirkte an den Beratungen zu Schul- und Kulturfragen sowie an der Ausarbeitung der Pläne zur territorialen und verfassungsmäßigen Neugliederung Deutschlands mit. Er nahm an der ersten großen Tagung an Pfingsten 1942 in Kreisau teil und hielt Verbindung zu leitenden katholischen Stellen. Während des Umsturzversuches am 20. Juli 1944 wurde er verhaftet und schwer misshandelt. Am 19. April 1945 wurde Lukaschek auf Grund der Folterungen und aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Er gehörte nach dem Krieg zu den Mitbegründern der CDU in Berlin. Von 1949 bis 1953 war er Bundesminister für Vertriebene im ersten Kabinett Adenauer in Bonn. Nach der Ablösung als Minister fand er als Vizepräsident des Caritas-Verbandes eine neue Aufgabe, der er sich bis zu seinem Tode im Jahr 1960 widmete.

Die promovierte Juristin Freya von Moltke (29.03.1911–1.01.2010) begleitete ihren Mann Helmuth James während der Zeit des Widerstands und seiner Gefangenschaft intensiv. Sie nahm an zahlreichen Treffen der Kreisauer teil und war durch die Briefe ihres Mannes aus Berlin über die Einzelheiten der Widerstandsarbeit ständig informiert. Ab 1935 leitete sie das Gut Kreisau und sorgte dafür, dass Kreisau nicht nur der Ort der Haupttreffen des Kreisauer Kreises sondern auch Zufluchtspunkt für ausgebombte und verfolgte Freunde wurde. Sie machte es sich zum Lebenswerk, die Erinnerung an den Widerstand in Deutschland und an den Kreisauer Kreis lebendig zu halten. Am 1. Januar 2010 verstarb Freya von Moltke in Vermont.

Der Jurist und Anwalt Helmuth James von Moltke (11.03.1907–23.01.1945) war Mitbegründer des Kreisauer Kreises und galt neben Peter Graf Yorck von Wartenburg als führender Vertreter des Kreises. 1939 wurde er als Völkerrechtsexperte in das Oberkommando der Wehrmacht einberufen. Bereits im selben Jahr verfasste Moltke erste Denkschriften zur politischen Neuordnung Deutschlands. 1940 traf Moltke mit Peter Graf Yorck von Wartenburg zusammen und es begann eine intensive Zusammenarbeit, die den Grundstein zum Kreisauer Kreis legte. Er nahm an den meisten Beratungen in Berlin, München, Kreisau und auf den Yorckschen Gütern teil. Moltke stellte Kontakte zu Vertretern der katholischen und protestantischen Kirchen her und versuchte, die Führung der sozialdemokratischen Opposition in die Kreisauer Widerstandsarbeit einzubinden. Bei zahlreichen Auslandsreisen gelang es Moltke, Gespräche mit Vertretern der Widerstandsgruppen der besetzten Länder zu führen. Am 19. Januar 1944 wurde Moltke verhaftet. Seine Beteiligung an der aktiven Widerstandsarbeit wurde erst nach dem misslungenen Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 aufgedeckt. Am 11. Januar 1945 verurteilte ihn der Volksgerichtshof zum Tode. Am 23. Januar 1945 wurde Helmuth James von Moltke in Berlin-Plötzensee ermordet.

Der Politikwissenschaftler, Publizist und Sozialdemokrat Carlo Mierendorff (24 03.1897–04.12.1943) lernte über Adolf Reichwein Helmuth James von Moltke kennen. Durch seine vielfältigen politischen Aktivitäten, Veröffentlichungen und Reden war er kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten bis 1938 in verschiedenen Konzentrationslagern inhaftiert. Im Kreisauer Kreis trat er unter dem Decknamen „Dr. Friedrich“ auf und übernahm vor allem den Bereich der sozialpolitischen Reformplanung. Am 14. Juni 1943 verfasste er seinen Aufruf zur „Sozialistischen Aktion“. Inmitten dieser Aktivitäten kam Carlo Mierendorff am 3. Dezember 1943 bei einem Bombenangriff auf Leipzig ums Leben.

Als Jurist, Politikwissenschaftler und Mitglied der Deutschen Zentrumspartei übernahm Hans Peters (05.09.1896–16.01.1966) im Kreisauer Kreis die Ausarbeitung des Kulturprogramms und wirkte bei staatsrechtlichen Entwürfen mit. Er nahm an zwei der drei Haupttagungen in Kreisau teil. Neben seinem Engagement im Kreisauer Kreis galt seine Wohnung in Charlottenburg auch als ein Treffpunkt für Oppositionelle verschiedener Richtungen. Seine Widerstandstätigkeit rund um den 20. Juli 1944 blieb unentdeckt. Nach dem Krieg 1945 war er Mitgründer der CDU in Hamburg, später Stadtverordneter in Berlin und Professor an der Humboldt-Universität. Von 1949 bis zu seinem Tod im Jahre 1966 lehrte er an der Universität Köln.

Der evangelische Theologe, Pastor und Gefängnisseelsorger Harald Poelchau (05.10.1903–29.04.1972) arbeitete ab 1941 im Kern des Kreisauer Kreises mit. 1933 erhielt er die Pfarrstelle im Gefängnis von Berlin-Tegel und leistete geistlichen Beistand für die verurteilten Opfer nationalsozialistischer Gewalt, darunter vor allem politische Gefangene wie auch später für seine Freunde aus dem Kreisauer Kreis. In seiner Position als Gefängnispfarrer half er den Inhaftierten, den Kontakt zu ihren Familien zu halten und überbrachte Briefe und andere Nachrichten für sie. Darüber hinaus unterstützte er Regimegegner und jüdische Mitmenschen, indem er ihnen half, sich zu verstrecken oder sie weiterzuvermitteln. Nach dem gescheiterten Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 konnte Harald Poelchau, ohne von der Gestapo ermittelt zu werden, das Kriegsende überleben. Gemeinsam mit Eugen Gerstenmaier baute er 1945 das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen in Stuttgart auf und war von 1949 bis 1951erneut Gefängnispfarrer in Berlin-Tegel. Für sein oppositionelles Engagement erhielt er kurz vor seinem Tod 1972 vom Staat Israel die Yad-Vashem-Medaille der Gerechten der Völker.

Adolf Reichwein, Pädagoge und Doktor für Philosophie, (03.10.1898-20.10.1944) begegnete Helmuth James von Moltke erstmals im Löwenberger Arbeitslager 1928. Gedeckt durch sein Amt in der Abteilung „Schule und Museum“ am Staatlichen Museum für Volkskunde (ab 1939) konnte er sich, nachdem er zunächst aufgrund seiner SPD-Angehörigkeit degradiert wurde, seinem politischen Engagement erneut widmen. Der Kontakt zum Kreisauer Kreis entstand 1940 durch die Sozial-demokraten Theodor Haubach und Carlo Mierendorff. Er nahm am ersten und dritten großen Treffen des Kreisauer Kreises teil und übernahm die Position als Experte für Bildung und Kultur. Maßgebend prägte er das bildungspolitische Programm des Kreisauer Kreises und war für die Zeit nach dem Umsturz als Kultusminister vorgesehen. Wegen seiner Kontakte zum kommunistischen Widerstand wurde er am 4. Juli 1944 verhaftet und schweren Misshandlungen der Gestapo ausgesetzt. Am 20. Oktober 1944 verurteilte ihn der Volksgerichtshof zum Tode. Noch am gleichen Tag wurde Adolf Reichwein in Berlin-Plötzensee ermordet.

Der Jesuit Augustin Rösch (11.05.1893-07.11.1961) gehörte ab 1941 zum Kreisauer Kreis. Er nahm an dem ersten großen Treffen des Kreisauer Kreises teil und leistete wesentliche Beiträge zum Kirchen- und Kulturprogramm. Auch knüpfte er Kontakte zu katholischen Bischöfen und zu Widerstandskreisen in Bayern und Österreich. Nach dem Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 konnte er sich zu nächst der Verhaftung entziehen, wurde jedoch im Januar 1945 gefasst, schwer misshandelt und verbrachte daraufhin Zeit im Konzentrationslager Dachau und anschließend im Berliner Gefängnis Moabit. Nach dem Krieg kehrte er nach München zurück und wurde Landesdirektor der bayerischen Caritas und Mitglied des bayerischen Senats, unter anderem im Haupt-, Rechts- und Finanzausschuss. Augustin Rösch starb am 7. November 1961.

Theodor Steltzer (17.12.1885–27.10.1967), seit 1940 in Norwegen eingesetzter Transportoffizier, kam mit Helmuth James von Moltke durch Otto Heinrich von der Gablentz in Kontakt. Es entwickelte sich eine enge Mitarbeit im Kreisauer Kreis, bei welcher er für die Planung der zukünftigen Staatsorganisation und der europäischen Einigung verantwortlich war. Er nahm an den ersten beiden großen Tagungen 1942 in Kreisau sowie an Besprechungen in Berlin teil. Nach dem 20. Juli 1944 wurde er verhaftet und am 15. Januar 1945 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. Die Ausführung seines Urteils wurde jedoch aufgrund der Bemühungen seiner skandinavischen Freunde aufgeschoben, weshalb er am 25. April 1945 aus dem Berliner Gefängnis Lerther Straße entlassen wurde. Nach Kriegsende gehörte er zu den Mitbegründern der CDU in Berlin und war von 1945 bis 1947 Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein. 1955 wurde er zum geschäftsführenden Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Bonn ernannt, ein Jahr später zum Präsidenten der UNESCO-Kommission. Am 27. Oktober 1967 starb Theodor Steltzer in München.

Carl Dietrich von Trotha (25.06.1907 in Kreisau –28.06.1952), Jurist und Ökonom, stand Helmuth James von Moltke auch als Cousin persönlich am nächsten. Wie Helmuth James von Moltke studierte er Rechtswissenschaften in Breslau und beteiligte sich an der Gründung der „Löwenberger Arbeitsgemeinschaft“. Er trat in das Reichswirtschaftsministerium ein. Während des Krieges leitete er das Referat für die Planung der Kohle- und Energieversorgung. Seit 1938 arbeitete Trotha mit Moltke zusammen und trug gemeinsam mit seiner Frau Margarete von Trotha maßgebliches zur wirtschaftspolitischen Diskussion des Kreisauer Kreises bei. Zusammen mit Horst von Einsiedel verfaßte er die Denkschrift „Die Gestaltungsaufgaben der Wirtschaft“. Viele Treffen der Kreisauer Wirtschaftsfachleute fanden in der Wohnung der Trothas statt. Nach dem 20. Juli 1944 blieb Trotha unentdeckt und entging der Verfolgung. Nach dem Krieg übernahm er im Berliner Magistrat das Referat Energiewirtschaft und wechselte später in die Zentralverwaltung. Er war Mitbegründer und zeitweise Vorsitzender der Europa-Union Berlin und wirkte für ein vereinigtes Europa bei den Straßburger Versammlungen. Bis zu seinem Unfalltod in den USA im Jahre 1952 lehrte er an der Deutschen Hochschule für Politik in Berlin.

Die promovierte Volkswirtschaftlerin Margarete von Trotha (12.05.1907-25.07.1995) war als Frau von Carl Dietrich von Trotha nicht nur Mitwisserin und Teilnehmerin an allen drei Kreisauer Tagungen sowie weiteren Treffen, sondern beteiligte sich aktiv an den Diskussionen und wirkte am Inhalt der Kreisauer wirtschaftspolitischen Denkschriften mit. Zusammen mit ihrem Mann Carl Dietrich von Trotha und dem gemeinsamen Freund Horst von Einsiedel erarbeitete sie die wirtschaftspolitischen Konzepte des Kreisauer Kreises. In der Wohnung der Trothas in Berlin-Lichterfelde fanden viele Treffen der Arbeitsgruppe für Wirtschaftsfragen statt. Nach dem 20. Juli 1944 wurde auch sie, ebenso wie ihr Mann, nicht verhaftet. Das Ende des Krieges erlebte sie in Freiheit. Margarethe von Trotha starb am 25 Juli 1995.

Der Jurist Adam von Trott zu Solz (09.08.1909–26.08.1944) lernte 1937 in England Helmuth James von Moltke kennen. Während des Krieges war er im Außenministerium beschäftigt, wodurch er konspirative Kontakte für den Kreisauer Kreis mit den Alliierten aufnehmen konnte und außenpolitischer Beauftragter des Kreisauer Kreises wurde. Sein Wirken im Widerstand blieb jedoch nicht auf diesen Kreis beschränkt. Er pflegte regelmäßige Kontakte mit den Gruppen um Hans von Dohnanyi und Dietrich Bonhoeffer. Sein Haus in der Berliner Rheinbabenallee wurde zum geheimen Treffpunkt vieler Freunde, zu denen auch Claus Schenk Graf von Stauffenberg gehörte. Aufgrund seiner oppositionellen Tätigkeiten wurde er am 25. Juli verhaftet und vom Volksgerichtshof am 15. August zum Tode verurteilt. Am 26. August wurde er in Berlin-Plötzensee ermordet.

Die promovierte Juristin Marion Gräfin Yorck von Wartenburg (14.06.1904–13.04.2007) unterstützte die oppositionellen Aktivitäten ihres Mannes Peter Graf Yorck von Wartenburg. Das gemeinsame Haus in der Berliner Hortensienstraße in der Nähe des Botanischen Gartens war einer der wichtigsten Treffpunkte des Kreisauer Kreises. Sie nahm an den meisten Besprechungen der Kreisauer teil. An Julius Leber überbringt sie Nachrichten in seine Kohlehandlung in Berlin-Schöneberg. Zwei Tage nach der Hinrichtung ihres Mannes wurde sie verhaftet, überstand die Sippenhaft und das Kriegsende jedoch. Nach dem Krieg wurde sie in Berlin im Auftrag der Alliierten als Richterin tätig. 1952 wurde sie Landgerichtsdirektorin – als erste Frau in Deutschland – und leitete 17 Jahre lang die 9. Große Strafkammer des Landgerichts Berlins.

Dabei war sie an der Verfolgung Homosexueller beteiligt und sorgte dafür, dass Homosexuellen die Anerkennung als NS-Opfer verweigert wurde und sie ihren Beruf oder ihr öffentliches Ansehen verloren. Auch wenn sie ihr Leben für den Kampf gegen das NS-Regime riskierte, war ihr Wirken als Richterin im Nachkriegsdeutschland höchst problematisch.

Peter Graf Yorck von Wartenburg (13.11.1904–08.09.1944), Jurist und Reserveoffizier, galt als das Herz und Helmuth James von Moltke als der Kopf des Kreisauer Kreises. Während des Krieges wurde er 1942 in den Wirtschaftsstab Ost beim Oberkommando der Wehrmacht einberufen. Durch die Ereignisse 1938, insbesondere die Reichsprogramnacht, erkannte Peter Graf Yorck von Wartenburg die Notwendigkeit des oppositionellen Handelns. Im Januar 1940 begann seine enge Zusammenarbeit mit Helmuth James von Moltke. Gemeinsam initiierten und führten sie die Gespräche des Kreisauer Kreises, die auch häufig in Peter Graf Yorck von Wartenburgs Wohnung in Berlin-Lichterfelde stattfanden. Auch nahm er an den drei großen Kreisauer Treffen teil. Darüber hinaus kam es zu kleineren Treffen auf dem Yorckschen Familienbesitz in Schlesien. Nach der Verhaftung von Helmuth James von Moltke im Januar 1944 führte Peter Graf Yorck von Wartenburg die Kreisauer Arbeit weiter und trat in eine zunehmend engere Beziehung zu Claus von Stauffenberg und dem militärischen Widerstand. Nach dem gelungen Umsturz wäre er als Staatssekretär in der Reichskanzlei vorgesehen. Am 20. Juli 1944 wirkte er aktiv beim Umsturzversuch in der Berliner Bendlerstraße mit. Dort wurde er durch die Gestapo verhaftet. Am 8. August verurteilte ihn der Volksgerichtshof zum Tode. Noch am gleichen Tag wurde Peter Graf Yorck von Wartenburg in Berlin-Plötzensee ermordet.