Kreisaureise 02. - 05. Oktober 2008
In ihrem vierten Jahr bot die Kreisau-Reise eine Reihe von bereits etablierten Programmpunkten: So erwarteten die Teilnehmer neben den thematischen Führungen in Kreisau, Gesprächen mit pädagogischen Mitarbeitern der Begegnungsstätte, einem Abend im Berghaus mit einem Kammerkonzert und der Andacht in der frisch renovierten Kreisauer Kapelle auch diesmal eine Expertenrunde (Adam Krzeminski, Kai-Olaf Lang, Piotr Buras) und eine Diskussion zu einem Thema, das sowohl in Deutschland als auch in Polen Beachtung findet: Ausgewählte Aspekte deutscher und polnischer Beziehungen zu Russland, ihre historischen Voraussetzungen und aktuelle Fragestellungen sowie die Chancen einer gemeinsamen EU-Politik gegenüber dem großen Nachbarn im Osten standen einen Vormittag lang zur Debatte.
Etwas war auf der vierten Kreisaureise aber anders als vorher: Die Reise fand Anfang und nicht Ende Oktober statt und dauerte vier und nicht drei Tage. So konnten nicht nur die beiden herrlichen Friedenskirchen in Jauer und Schweidnitz besichtigt werden, sondern es wurde sich ausgiebig Zeit für Breslau genommen. In drei Führungen zur Architektur der Moderne, der Dominsel und dem Toleranzviertel konnten die Reiseteilnehmer die Stadt kennenlernen. Ergänzt wurde der Breslautag mit einer Führung durch das Ossolineum und einem Gespräch mit dem Stadtpräsidenten Rafal Dutkiewicz über das Selbstverständnis der Stadt Breslau als multikulturelle Stadt. Abends wartete dann als Gast Steffen Möller auf die Teilnehmer, der seit 14 Jahren in Polen lebt und dort als Komiker, Schauspieler und Entertainer zum wohl zweit berühmtesten Deutschen in Polen nach dem Papst geworden ist.
Am 3. Oktober konnten die Reiseteilnehmer der Eröffnung einer Ausstellung in Kreisau beiwohnen. Der als „entartet“ mit Berufsverbot belegte Maler Karl Schmidt-Rottluff malte 1942 im Auftrag von Helmuth James von Moltke mehrere Bilder Kreisaus und seiner Umgebung. Moltke ahnte, dass Deutschland in Folge des Krieges Schlesien und seine Familie das geliebte Kreisau verlieren werden und wollte so der Erinnerung eine Stütze von hoher künstlerischer Qualität geben. Die wenigen noch erhaltenen Bilder aus dem Familienbesitz wurden bei der Ausstellung im Schlesischen Museum zu Görlitz und als Abbildungen in Kreisau gezeigt. Die Freya von Moltke-Stiftung hat den Katalog zu der Ausstellung gefördert.